OrgelArena

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Pressemeldungen

Marathon auf Orgeln

Eine aufregende Woche liegt hinter Mathias Grünert. Der zukünftige Kantor der Dresdner Frauenkirche spielte und spielte und spielte. Er gab in fünf Tagen 32 Konzerte an 22 Orten. Eine logistische Meisterleistung. Die Instrumente - allesamt Projekte zur Bach-Pflege - lernte er immer erst vor Ort kennen, hatte also nicht viel Zeit, auf ihnen zu üben. Und trotzdem lobten ihn Experten, bei jedem Konzert aufs Neue. Wie gut, dass dieser Mann bald nach Dresden kommt!

Sächsische Zeitung 11.05.2004

OrgelArena 2005 begeisterte mit der Idee und dem Niveau

...Und die Initiatoren, allen voran Karl-Heinz Kraass, Jena, fanden in Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, Dresden, einen versierten Vollblutmusiker, der während der vier Tage 37 Konzerte an 37 verschiedenen Orgeln bewältigte ohne ein Musikstück zu wiederholen - eine wahre Marathonleistung auf höchstem Niveau und ohne jedes Honorar. In den halbstündigen Konzerten kamen beeindruckend große Orgeln und ganz kleine, bestens restaurierte und kaum bespielbare in den Blick der Öffentlichkeit und unter die Hände des jungen Virtuosen.

Viele Thüringer aus der Region, aber auch Touristen aus Bonn, Mainz oder Osnabrück ließen sich mitnehmen auf eine musikalische Reise durch diese Kulturlandschaft. Das Projekt rief insgesamt Begeisterung hervor. Hier einige Meinungen:

»Man fragt sich: Arena - ein Kampfplatz? Was hat das mit der Orgel zu tun? Es bedeutet ein glückliches, rundes Erlebnis mit einem der besten Organisten für das Projekt Offene Kirchen und für ein Publikum, das aus Faszination in einen Sog gerät. Wir waren glückliche Genießer der OrgelArena 2005, Eindrücke, die in unserer Region so selbstverständlich möglich waren, als hätten wir eine Kultur- und Bildungsreise gebucht. Anneliese und Harald Seime, Vierzehnheiligen

»Die psychische und physische Leistung verdient meinen hohen Respekt. Ich bewundere auch Grünerts Fähigkeiten, mit den äußeren Gegebenheiten der einzelnen Orgeln, die er ja nur von der Disposition her kannte, fertig zu werden.« Hans-Georg Fischer, Kantor i. R., Kahla

»Es war mir eine große Ehre, zusammen mit Herrn Grünert, der nicht nur ein hervorragender Solist, sondern auch ein einfühlsamer Begleiter ist, zu musizieren. An dieses Konzert werde ich noch lange mit Freude zurückdenken.« Manfred Röse, Trompeter und Organist, Göschwitz

... Dass die Konzerte fast alle in übervollen Kirchen stattfanden, spricht für Ihre Kunst, die frohe Botschaft den Menschen durch die Musik nahe zu bringen. Dafür danken wir Ihnen von ganzem Herzen.« Superintendent Diethard Kamm, Jena, im Abschlusskonzert

Und Matthias Grünert selbst? »Ich bin gern unterwegs und mich freut der feste Zuhörerkreis, der sich hier gebildet hat. Die Tage erlaubten mir, in komprimierter Form höchst unterschiedliche Instrumente kennenzulernen.«

Glaube und Heimat 14.08.2005

...Was anmutet wie eine der heutigentags inflationären Rekordjagden, war ein Kunsterlebnis der Extraklasse und wohl eher der Idee und dem Engagement der Organisatoren und der unbändigen Spielfreude des Organisten geschuldet. Ein wesentlicher Grund dafür, dass sich jemand einer solchen Strapaze unterzieht, ist darin zu suchen, dass Erfahrungen und Fertigkeiten eines Organisten auch mit Anzahl und Verschiedenartigkeit der gespielten Instrumente wachsen. Welche Herausforderung also, sich innerhalb von 4 Tagen die Orgellandschaft einer ganzen Region zu erschließen. Da bleibt vom Nimbus einer Rekordjagd nicht viel übrig.

Wer nicht nur das 37. Konzert besucht hat, kommt nicht umhin, dem Organisten ein untrügliches Gespür dafür zu bescheinigen, welche Kompositionen einem Instrument zumutbar sind und welche nicht. Die Bach-Kompositionen für das Abschlusskonzert in der Schillerkirche waren sämtlich trefflich gewählt und stießen in keiner Weise an Grenzen.

...Entgegen der Rezension sei allen Musikfreunden, denen der Besuch dieses Konzertes nicht vergönnt war, versichert, Bachs d-moll-Toccata bildete den gelungen Abschluss der OrgelArena 2005, sauber gespielt mit klar verfolgbaren Stimmen, in einer rasanten Virtuosität vorgetragen, die man bei diesem Stück eher selten hört, von trockenen Klängen keine Spur! Möglicherweise war nicht jeder Beitrag geeignet, den Literaturkenner zu begeistern, den Musikliebhaber jedoch allemal. Von welcher Art Literatur ist überhaupt die Rede, wo es um Beurteilung der Interpretation, des Klangerlebnisses geht? Oder handelt es sich beim Rezensenten um einen derart versierten Musiker, dass sich ihm beim Ablesen vom Notenblatt die Musik bereits im Kopf erschließt? Man mag es kaum glauben....


OTZ 11.8.2005

OrgelArena 22. bis 25.9.2006 in Saalfeld/Rudolstadt

Ein Stück Frauenkirche zu Hause

OTZ-Serie nah dran von Ute Häfner
Katrin Konrad aus Königsee besuchte im Februar 2006 die wieder aufgebaute Frauenkirche. Als sie in der OTZ las, dass deren Kantor Matthias Grünert die OrgelArena im Landkreis bestreitet, stand für sie fest, für Bewirtung und Unterkunft zu sorgen. „Was der Mann mit seinen 33 Jahren schon geleistet hat, ist eine starke Leistung", würdigt sie.
Deshalb nahm sie es auch auf sich, Anfang September trotz Umleitung von Königsee nach Unterwirbach zu fahren, wo Grünert für CD-Aufnahmen weilte, und brachte ihm einen Imbiss. Obwohl an diesem Abend noch drei weitere Einspielungen vom Kantor zu bewältigen waren, hätte er sich Zeit genommen, mit ihr über Musik zu plaudern. „Ein netter, umgänglicher Mensch, völlig unkompliziert", schwärmt Konrad.
Bei Bernd Kämmer aus Könitz übernachtete der Kantor. Obwohl vom Tagesgeschäft erschöpft, habe er sich anderthalb Stunden bis zum frühen Morgen Zeit genommen für ein Gespräch und sogar ein kleines Stück auf der Kämmerschen Hausorgel gespielt. „Dass Grünert ein phantastischer Musiker ist, habe ich mir bei dem Werdegang denken können. Aber er ist dabei vor allem sehr bescheiden geblieben."
Kämmer und Konrad wollen am Wochenende im Rahmen der OrgelArena weitere Begegnungen mit Matthias Grünert suchen. Auf die freut sich auch Pfarrer Heiko Rau aus Hoheneiche und hofft, dass viele den Weg in die Kirchen finden werden, „denn die Orgellandschaft ist sehr unterschiedlich und jede Kirche hat ihren Charme." Die erst vor zwei Wochen fertig sanierte Eybaer Orgel wird heute quasi vom Frauenkirchenkantor „eingeweiht".
Renate Roth hat als Mitglied des Kammerchores der Saalfelder Schlosskapelle mit Grünerts Chor bereits zusammen gesungen. Heute Mittag will sie mit der Kirchgemeinde den Kantor in Arnsgereuth begrüßen. Nach dem Konzert wird beim gemeinsamen Mittagessen Gelegenheit zu Gesprächen sein.
Dass sich Grünert darauf gern einlässt, bewies er gestern in der Saalfelder Schlosskapelle, obwohl der Termindruck bei 33 Konzerten in vier Tagen allgegenwärtig ist. Er begrüßte alte Bekannte wie die Familie Günther aus Osnabrück, die jedes Jahr die Gelegenheit nutzt, die Region und ihre Kirchen kennen zu lernen. Aber auch ihm völlig fremde Menschen danken ihm spontan für seine Musik. Wie Christoph Spiewock aus der Klasse 9b der Rudolstädter Schillerschule. Nach dem Premierenkonzert für rund 500 Schüler gestern in der Saalfelder  Johanneskirche bat er um ein Autogramm. „Es war ein schönes Konzert, das mir gefallen hat, obwohl ich mir sonst Orgelmusik nicht anhöre.”
Für die Saalfelderin Hannelore Mordas ist die Frauenkirche ihr Leben. In Dresden kurz vor Kriegsende geboren war die Ruine ihr immer Mahnung. Gegen den Wiederaufbau habe sie anfangs innerlich rebelliert, das Wachsen der Kirche über all die Jahre aber verfolgt. „Es war richtig, dass sie wieder erstanden ist", sagt sie heute. Der symbolische Völker verbindende Charakter des Wiederaufbaus bewege sie noch immer tief. Mehrfach habe sie die Frauenkirche schon besuchen können, einmal spielte Grünert dabei an der Orgel. „Und jetzt mit Ihnen ein Stück Frauenkirche hier zu haben, macht mich glücklich", sagte sie gestern beim gemeinsamen Mittagessen mit Grünert in ihrem Haus. Dass Hannelore Mordas nach über 60 Jahren jetzt ihren seit dem Krieg vermissten Bruder gerade in Dresden wieder fand, berührte auch Grünert gestern besonders. Solche Begegnungen und bewegende Geschichten machten  ihm deutlich, was Menschen mit der Frauenkirche verbinden, die für ihn „Arbeitsort" ist. Wenig später eilte Matthias Grünert zum nächsten Termin nach Leutenberg. Der gebürtige Nürnberger stammt aus einem musikalischen Elternhaus, Mutter und Vater Musiker, drei jüngere Schwestern ebenfalls. Für das Studium der Kirchenmusik entschied er sich wegen ihres breit gefächerten Ansatzes und der vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten. Grünerts Talent erkannten bereits seine Professoren und stuften ihn als besonders begabt ein.
Eine Begabung, die ihn nicht abheben ließ. Er weiß, dass es nicht der Normalfall ist, jeweils vor 1800 Zuhörern zu spielen, wie es die Messlatte in der Frauenkirche ist. „Wenn ich ein paar Leute auf die kleinen Dorfkirchen mit ihren Orgeln neugierig machen kann, ist das auch was." Vier Jahre hat er als Kantor der Stadtkirche Greiz selbst erfahren, was Basisarbeit heißt. „Aber gegen die Aufgaben als Kantor der Frauenkirche war das ein Kinderspielplatz."
Trotzdem tut er sich den Stress der OrgelArena an und sagt lachend, dass er die nötige Kondition dafür auch ohne sportliches Zutun mitbringt. Es mache ihm Spaß, sich wie im Blindflug vor unbekannte Orgeln zu setzen und auf ihnen zu spielen. Die Auswahl der Orgelstücke, nicht alles ist überall spielbar, erfolgt in den meisten Fällen allein anhand der Orgeldisposition. Dass man Tschaikowskis „Tanz der Schwäne" oder Offenbachs „Barcaraole" dabei auch hören kann, ist Grünert zu verdanken, „ich habe sie umgeschrieben." Ein Orgelbesessener, dem alles rund um die Musik offenbar leicht von der Hand geht.
Bildunterschrift: Begegnung im Hause Mordas in Saalfeld, Siegfried (links) und Hannelore Mordas im Gespräch mit dem Kantor der Dresdener Frauenkir­che Matthias Grünert.

OTZ Saalfeld 23.9.2006

15. -17. Juni 2007 Mühlhausen/Thüringen

Das kam an

Wenn man so viele Kinder und Jugendliche ganz unterschiedlichen Alters in die große Marienkirche schickt, dass einige stehen, andere es sich auf Steinstufen bequem machen müssen - kann das gut gehen? Gestern Nachmittag ging es sogar sehr gut, und am Ende gab´s einen riesigen, lautstarken Applaus, als der letzte Akkord des Radetzkymarsches im Kirchenschiff verhallte.

MÜHLHAUSEN. Es war ein bedeutender Gedenktag: Gestern vor genau 300 Jahren erhielt der 22-jährige Johann Sebastian Bach seine Bestallungsurkunde in Mühlhausen. Das spielten Schüler des Evangelischen Schulzentrums in einer kurzen Szene nach. Bach nahm das eingerollte Dokument entgegen - und gleich noch einen Beutel voller klingender Geldstücke. Es war eine gute Idee, nicht gleich mit dem Orgelkonzert zu beginnen, sondern erst einmal Schüler auftreten zu lassen. Die Schüler sangen Musik von Bach solistisch und im Chor, sie spielten auf dem Keyboard und auf der Geige. Als die volkstümliche Melodie aus der Bauernkantate erklang ("Wir geh´n nun, wo der Dudelsack in unsrer Schenke brummt"), war von vielen schon das Gefühl der Fremdheit der Musik gewichen. Was dann kam, war nicht von Bach. Aber es war sehr gut mit der romantischen Sauer-Orgel zu praktizieren. Matthias Grünert, Kantor an der Dresdner Frauenkirche, hatte in seinen Orgelmarathon - 25 Konzerte an 24 Orgeln an drei Tagen - auch ein Konzert für Kinder und Jugendliche einbezogen. Freilich blieb dem jungen Publikum nichts anderes als das Hören. Denn was in einer kleinen Dorfkirche klappt - und dort praktiziert es Grünert auch -, das funktioniert in einer großen Kirche nicht: Mit den Zuhörern in einen Dialog treten, ihnen die Eigenarten der Königin der Instrumente nahebringen. Grünert bedauert das - aber was will man machen ...Für sein Programm hatte sich der Künstler Musik mit Ohrwurmqualität ausgesucht. Trotzdem blieb die Skepsis bis zum Beginn des Konzerts: Was nützt es, bekannte Melodien zu spielen, wenn sie beinahe jeder kennt - aber nicht unbedingt diese jungen Konzertbesucher? Wenn die Zuhörer nicht gerade aus Familien kommen, in denen Musik von Schubert bis Tschaikowski zur akustischen Kulisse gehört - woher sollen sie diese Musik kennen? Na gut, in einigen Schulen gibt es ja noch ausgebildete Fachlehrer für Musik. Aber sie können nur in beschränktem Umfang junge Menschen mit derartiger Musik vertraut machen. Lag es nun an der eingängigen melodisch-rhythmischen Struktur, dass es gleich bei der ersten Bearbeitung - einem Schubert-Marsch - mucksmäuschenstill in den Bankreihen war? Übrigens waren´s alles Bearbeitungen, die Grünert zum Besten gab, kein einziges Originalstück für Orgel. Aber alles 19. Jahrhundert. Eine Pastorale von Joseph Gabriel Rheinberger, der "Tanz der Schwäne" aus Peter Tschaikowskis Ballett "Schwanensee", "Der Schwan" vom Franzosen Camille Saint-Saëns. Hier hatte der erwachsene Mithörer Sorge: Wird das bis zu den Herzen der Kinder vordringen - oder werden die leisen Klänge im Gemurmel untergehen? Nein, die Kinder und Jugendlichen, die meisten zumindest, versuchten, dem Verlauf der Melodien zu folgen, die Klänge auf sich wirken zu lassen. Ja, und dann kam der Knaller: Johann Strauß´ Radetzky-Marsch. Mal nicht für Orchester. Das ging los! Als Matthias Grünert geendet hatte, brach lautstarker Jubel los. Sage bitte niemand, die "heutige Jugend" wisse mit traditioneller Musik nichts anzufangen. Man muss es nur richtig anstellen.

Bildunterschrift: KÖNIGINNENKLÄNGE: In seiner “OrgelArena” gab Matthias Grünert vor Kindern und Jugendlichen ein Konzert an der Sauer-Orgel in der Marienkirche.

Dieter Albrecht, TA 16.06.2007

Mühlhausen huldigt dem jungen Bach

Bach macht süchtig.

300 Jahre nach seiner Ankunft in Mühlhausen feierten ihn die Stadt und die Region mit einem dreitägigen Orgel-Marathon, sie feierten den ganzen Bach und besonders den jungen, nicht pflegeleichten Divi-Blasii-Organisten, der seine Stelle in Mühlhausen am 15. Juni 1707 angetreten hatte.

MÜHLHAUSEN. Das Festkonzert in der riesigen Divi Blasii-Kirche war so überlaufen, dass es improvisierte Sitzplätze nur noch auf den Säulenfüßen im hinteren Teil der Kirche gab. Hunderte Zuhörer erlebten eine Stunde Bach-Orgelwerke, darunter einige seiner schönsten Choralbearbeitungen und die Toccata und Fuge in d-Moll. Selbst wenn sie nicht von Bach sein sollte - an einem solchen Tag durfte die Toccata einfach nicht fehlen. Für Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauenkirche, war die "OrgelArena" in und um Mühlhausen die vierte ihrer Art. Seit 2004 gestaltet er den Marathon in wechselnden Regionen Thüringens, der Zuspruch war auch diesmal groß. Zwischen Friedrichsrode und Bad Langensalza, zwischen Marolterode und Lengenfeld unterm Stein gab Grünert 25 Orgelkonzerte, alle bei freiem Eintritt, alle mit Bachs Werken oder mit Musik, die unter direktem Einfluss Bachs entstand. Nicht wenige Bach-Fans reisten von Konzertort zu Konzertort mit. Von Divi Blasii aus eilte Grünert ein paar Ecken weiter zur Marienkirche, wo er Werke von Liszt und Rheinberger spielte. Wer sich anschließend das spätromantische Rheinbergersche Klanggewölk aus den Gehörgängen spülen lassen wollte, konnte den Organisten um 23 Uhr zur Kornmarktkirche begleiten. Dort gab es noch einmal Bach pur. Unerreicht.

TA 17.06.2007 Von Charlotte SCHULZ

Zeit für kleine Wünsche

LANDKREIS (ak). Trotz kleiner Hindernisse wegen des Mammutprogramms quer durch den Kreis begeisterte Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauenkirche, sein Publikum - und fand Zeit für persönliche Begegnungen. Hier war wirklich alles live: Mit kleiner Verspätung traf Matthias Grünert nach seiner Station in Kloster Zella zu seinem bereits vierten Konzert an diesem Tag an der Kirche in Bothenheilingen ein. Wenige Minuten blieben ihm, sich von Christiane Melzer, Katechetin aus Thamsbrück und mit den Macken der Schulze-Orgel vertraut, in die Geheimnisse des Instruments einweisen zu lassen. Spätestens beim letzten Stück von Nicolo Moretti hatte er das Publikum voll auf seiner Seite, das vor Begeisterung gar nicht mehr aufhören wollte zu klatschen. Und obwohl der Zeitplan ihn drängte, nahm sich der Kantor Zeit für Autogrammanfragen und die Gemeindemitglieder, die kurzfristig und liebevoll ein Büfett zusammengetragen hatten. Das war dann auch der Grund, dass Grünert ein paar Minuten später als erhofft an der Bad Langensalzaer Bergkirche vorfuhr. Endlich auf der Empore Platz genommen, riss dann auch noch ein Schnürsenkel an den Orgelschuhen - dennoch: das offene, freundliche Lächeln wich auch jetzt nicht aus dem Gesicht des 33-Jährigen. Von der Petersilieorgel, dem nach seinen Worten "romantischen Schinken", war er so angetan, dass er sich sogar zu einer Zugabe hinreißen ließ. Bevor er wieder ins Auto stieg, um zu Konzert Nummer sechs von neun an diesem Abend zu fahren, erfüllte er noch einen Wunsch von Friedhelm Pusch, ehrenamtlicher Organist in der evangelischen Kirchgemeinde Langensalza: Grünert stellte die Register für sein am Wochenende anstehendes Orgelspiel ein. Und wem die musikalisch großartige und äußerst sympathische Begegnung zu kurz war, der hatte im Laufe der nächsten beiden Tage noch reichlich Gelegenheit, in großen und kleinen, berühmten und versteckten Kirchen der Gegend dem Kantor zu lauschen - oder ihn einfach zu begleiten, wie es etliche, zum Teil sehr weit gereiste Fans taten.Bildunterschrift: KONZENTRIERT: Matthias Grünert in der Bergkirche

TA 18.06.2007

Zauberhafte Bach-Orgel

Höhepunkt der jüngsten OrgelArena mit dem Dresdner Frauenkirchenkantor Matthias Grünert waren drei Konzerte in Mühlhäuser Kirchen. Von Dr. Uta ZIEGNER MÜHLHAUSEN.

Wenn man den Untersuchungen eines kalifornischen Instituts glauben darf, so spiegelt die Musik eines Komponisten auch die Sprachmelodie seiner Muttersprache wider. Ebenfalls versucht der der Sprachwissenschaft entliehene Aspekt der Semantik, die Bedeutungs-funktionen in der Musik zu bezeichnen. So gesehen, ist die Bundesdelegiertenversammlung des Vereins Deutsche Sprache am Veranstaltungswochenende der OrgelArena ein Ausdruck kultureller Symbiose. Wo der eine sich um die deutsche Sprache bemüht, versucht der andere, die pragmatischen Zeichen der Musik zu vermitteln. Matthias Grünert als Organist der OrgelArena türmte in drei Tagen 25 Konzerte in unserem Kreis auf. Höhepunkt war das Festkonzert zu Ehren Johann Sebastian Bachs in seiner ehemaligen Wirkungsstätte Divi Blasii. Wie der gebürtige Mühlhäuser Christoph Matschie in seinem Grußwort feststellte, ist eine Reise zu Bach auch eine Reise durch Thüringen. Dem Dank an Matthias Grünert, Kantor an der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche, sowie an den unermüdlichen Projektleiter Karl-Heinz Kraass, Stadtrat von Weimar, schloss sich ein hervorragendes Orgelkonzert des Dresdner Gasts an. Matthias Grünert begann sein Bach-Konzert mit der Dorischen Toccata und Fuge, BWV 538. Vorbehaltlich vom Interpreten ausgewählt, ist dieses am italienischen Konzert orientierte Formenpaar eine Dechiffrierung des Instruments. Bach soll es bei einer Orgelabnahme in Kassel gespielt haben. Grünerts ausgezeichnete Lauftechnik ließ ein sehr rasches Tempo zu. Er akzentuierte die Themen, formierte die klanglichen Kontraste, machte die dreiteilige Toccata zu einer fröhlichen Exegese. Großräumig ging Grünert sodann die Fuge an; er bohrte die Themen gleichsam heraus, doch mit den freien Passagen verlor die Fuge schließlich am anfänglichen Tempo. Eigentlich sind die sechs Schübler-Choräle, genannt nach dem Notenstecher in Zella, kleine Charakterstücke. Sie deuten die Choraltexte bisweilen realistisch aus, sind auch pietistisch-gesangbuchartig oder nehmen formal die Mannheimer Schule vorweg. Es war einfach schön, wie Grünert seine Spitzentöne als kristalline Einwürfe markierte. In der Triosonate Es-Dur, BWV 525, versteckte Grünert ein wenig Mozart. Das lag an dem wohlproportionierten Allegro mit seinen spielerischen Episoden und den unendlichen Girlanden, die die ganze barocke Registervielfalt zeigten. Abschließend blieb der Dresdner Organist beim anfänglichen d-Moll: Mit der bekannten Toccata und Fuge, BWV 565, leuchtete er noch einmal das Stimmenangebot der zauberhaften Bach-Orgel aus und regte den Appetit an aufs anschließende Konzert in St. Marien.

Bildunterschrift: DORISCHE TOCCATA: Überaus markant sind die absteigenden Skalen im Pedal.

TA 20.06.2007


Musiker der Extraklasse

Die OrgelArena in Mühlhausens Kirchen war ein Orgelmarathon für Matthias Grünert, den Kantor der Dresdner Frauenkirche: Insgesamt gab er an drei Tagen 25 Konzerte in der Kreisstadt und der Region. Von Dr. Uta ZIEGNER MÜHLHAUSEN.

Franz Liszts meistgespieltes Orgelwerk, sein "Präludium und Fuge über B-A-C-H", nahm das Thema des soeben verklungenen Werkes von Johann Sebastian Bach als zartes Zitat wieder auf. Von der Divi-Blasii-Kirche wanderte zum zweiten Konzert an diesem Abend eine nur leicht dezimierte, aber nicht weniger begeisterte Zuhörerschar in die Mühlhäuser St.- Marien-Kirche. Orgelmarathon möchte man diese Veranstaltungsserie von 25 Konzerten in drei Tagen noch nennen, zumal, wenn der Gast - Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauenkriche - drei Konzerte an einem Abend bestreitet. Nach dem umjubelten Festkonzert in der Divi-Blasii-Kirche also die Fortführung in St. Marien zu spätabendlicher Stunde. Der großen romantischen Orgel entsprechend das Programm: Franz Liszt und Joseph Gabriel Rheinberger. Die berühmtesten Halbtonschritte der Musikliteratur versetzt Liszt zunächst um eine Terz, um sie dann in seiner Apotheose an Bach original fanfarenhaft erklingen zu lassen. Matthias Grünert nutzte alle Spielhilfen und klanglichen Möglichkeiten der großen Sauer-Orgel in seiner vitalen Darstellung. In einem registermäßig düster umwölkten sinfonischen Satz reflektierte er das neue Bachbild des 19. Jahrhunderts. Joseph Gabriel Rheinbergers 20. Sonate, F-Dur, stand als zweites und letztes Werk auf dem Programm in der Marienkirche. Der Liebhaber großer mechanischer Kegelladenorgeln setzte auch in seiner letzten Komposition (gestorben 1901) barockes und romantisches Material ein. In einem blendenden Diskurs durchmaß es Grünert und ließ seine Hörer in eine völlig andere Klangwelt eintauchen. Wer nun immer noch Lust auf Bach hatte, wurde zu einer Soireé in der Kornmarktkirche empfangen. Grünert wechselte hier die Orgelbank mit dem Klaviersessel und spielte aus der "Kunst der Fuge", BWV 1080 vier Contrapuncti von Bach. Das Jahrtausendwerk einer Epoche fasziniert immer wieder durch seine Prägnanz, auch wenn dem Interpreten das Licht gedimmt worden war. Doch der Musiker par excellence aus Dresden wurde auch damit fertig! Die Gesangszugaben mit May-Britt Rabe aus Rudolstadt waren Cesar Francks "Ave Maria" sowie Umberto Giordanos Ohrwurm "Caro mio ben".

TA 21.06.2007


OrgelArena 15.-17. Juni 2007 Oberfranken

Rastloser Virtuose:

14 Konzerte an zwei Tagen gab der Kantor der Dresdner Frauenkirche, Matthias Grünert, im Raum Coburg, Kronach und Lichtenfels. FOTO: ARNOLD

Am vergangenen Wochenende kam die „OrgelArena 2007“ in die Landkreise Coburg, Kronach, Lichtenfels. Eine innovative Idee, ausgeführt von einem begnadeten Künstler, Matthias Grünert aus Dresden, wurde von Musikliebhabern mit großem Interesse genossen. An zwei Tagen erklangen in 14 Kirchen weit über 50 Meisterwerke der Orgelliteratur.

„Den Gedanken des Aufbruchs von der Dresdner Frauenkirche durch die Region tragen“ – dieses Anliegen der OrgelArena dürfte für den Kantor der Dresdener Frauenkirche, Matthias Grünert, ein wahrer Marathonlauf gewesen sein. Sieben halbstündige Orgelkonzerte am Tag zu geben, dazwischen die Fahrt zum nächsten Spielort zu absolvieren, einen Parkplatz zu ergattern, die Orgel kennenzulernen, um dann in Topform die großen Meisterwerke der Orgelliteratur zu präsentieren, stellt schon sehr hohe Anforderungen an einen Musiker. Diese selbstgestellte Aufgabe, es sei vorweggenommen, erfüllte Grünert mit größter Bravour.

Großartige Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude prägten alle Konzerte. Auf die Frage, wieso er gerade jene beiden Komponisten gewählt habe, erklärte der 1973 in Nürnberg geborene Künstler, dass gerade in unserer Region die barocken Orgeln zu finden seien, die für barocke stilgerechte Interpretationen sich förmlich anböten. Zudem gedenke man dieses Jahr des 300. Todesjahrs des Lübecker Organisten Buxtehude.

Am Samstag früh in der überfüllten Stadtkirche St. Georg in Neustadt/C. und am Sonntagabend in der Kreuzbergkapelle in Kronach, dazwischen halbstündige Konzerte in Gauerstadt, Unterlauter, Coburg, Sonnefeld, Watzendorf, Rothenberg, Kloster Banz, Lichtenfels, Lahm, Bad Staffelstein und Weismain: Unter den Händen und Füßen von Matthias Grünert erstrahlten die heimischen Orgeln in verschiedenartigsten Klangfarben.

In der Coburger Heiligkreuzkirche erklang zu Beginn die Triosonate Es-Dur, BWV 525, von J. S. Bach. Im ersten Satz hätte die Stimmführung etwas mehr Strenge geboten, im Adagio hörte man herrlich dezente Registrierung, meditative Ruhe ergoss sich in den Kirchenraum, der Schlusssatz kam im frischen Tempo daher, die musikalische Struktur deutlich nachvollziehbar. In Choralvorspielen von Dietrich Buxtehude, unterstrich der Organist figurativ-rezitativische und choralartige Passagen mittels Einsatz von Klangmaterial.

Dann aber brach ein Sturm los. Fantasie und Fuge g-Moll, BWV 542, von J. S. Bach entfaltete die gesamte Klangpalette, die eine Orgel zu offenbaren hat. Virtuose Läufe, kleingliederiges Motivspiel, spannungsreiches harmonisches Labyrinth, gespickt mit Dissonanzen, quälend suchend die Auflösung , endigend im ersehnten Dur. Dann die Fuge, sie ist ein Prüfstein jedes Organisten. Klar strukturiert verliert sich nichts. Weder Kontrapunkt noch Thema kommen unpräzis daher. Vielmehr waltet eine klarer Kopf des Interpreten über alle Verästelungen und Verzahnungen. So entsteht ein komplexes Gesamtwerk.

Das Konzert in der voll besetzten Stiftskirche von Kloster Banz begann mit einem Präludium von Buxtehude. Nach kurzem Intro lösten sich in einer dreistimmigen Fuge durch gekonnte Registrierung in Frage und Antwort motivisches Spiel ab.

Sofort fiel sehr angenehm das dunkle Timbre des Bassbereichs und der getönte Klang der hohen Lagen der Orgel auf. In J. S. Bachs Choralvorspielen „Dies sind die heiligen 10 Gebote“, BWV 678, und „Vater unser im Himmelreich“, BWV 682, stand introvertiertes, kontemplatives und demutvolles Spiel im Vordergrund, sodass die Musik als Mittel zur Besinnung und Einkehr diente. Keine Eigendarstellung, keine Aufdringlichkeiten, keine persönlichen Affekte erlaubte sich der Interpret, die Stimmführung, schon fast Stimmebenen zu nennen, gelang einfach in himmlischer Ruhe. Engste musikalische Schritte, Halbtöne, emanzipieren sich im zweiten Choralvorspiel, entschweben dem Kirchenraum sich zu großartigen Welten aufschwingend.

Matthias Grünert verstand es bis ins allerkleinste musikalische Atom vorzudringen. Dem Klangzauber der Banzer Orgel wurde überreicher Tribut gezollt.

Als letztes erklang das Präludium und Fuge h-Moll BWV 544, in dem rascheste Skalen virtuosen Spielwitz verrieten. Sehr gut in seiner Struktur, organisch zusammengehalten erklang auch die Fuge, im etwas gemäßigteren Tempo, da, wie Matthias Grünert berichtete, sonst die Orgel aufgrund der Mechanik nicht mitmachen würde.

Die Biographie Grünerts zeigt, dass der Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe sehr viel Konzerterfahrung im In- und Ausland gesammelt und zahlreiche CD-Aufnahmen, darunter das Orgelgesamtwerk J. S. Bachs, eingespielt hat. Konzerte auch als Dirigent und Cembalist dokumentieren seine musikalische Vielseitigkeit. Seit 2005 ist er Kantor an der berühmten Frauenkirche zu Dresden, wo er einen 120-köpfigen Chor sowie einen 30-köpfigen Kammerchor gründete. Für große musikalische Projekte also ideale Voraussetzungen.

Wie kam er eigentlich auf die Idee, solch ein Vorhaben wie die OrgelArena in die Tat umzusetzten? Es begann 2004 im thüringischen Eichsfeld, wo er zunächst mit einigen Bekannten auf die Wanderschaft ging um die dortigen Orgeln im Rahmen einiger gezielter Konzerte vorstellte. Das überaus erfolgreiche Unterfangen entwickelte sich seitdem zu einem kulturellem Großereignis, das nächstes Jahr im Vogtland und übernächstes Jahr in Düsseldorf stattfinden wird.

Die Disposition der Orgeln kannte Matthias Grünert im Vorfeld nur auf dem Papier. So musste er sich zunächst abstrakt ein Bild vom Klangvermögen jeder Orgel bilden. Danach wählte er auch die Stücke, Interpretationen und Tempiwahl aus. Er schwärmte besonders von der Orgel in Banz, aber auch in Lahm und Unterlauter seien hervorragende Instrumente anzutreffen.

Lob zollte er der Organisation, die Idee der OrgelArena sei allerorts auf großes Interesse gestoßen, der Besucheransturm war mächtig. Aber, so fügte der sympathische Künstler lächelnd hinzu, er sei volle Kirchen zu Hause in der Frauenkirche ja gewohnt.

Lobend zu erwähnen bleibt das sehr gut illustrierte Programmheft mit der Beschreibung einer jeden Orgel. Übrigens, der Eintritt zu allen Konzerten war frei.

05.07.2007 Coburger “Neue Presse”

 

Ermüdungsfreie Brillanz und intensive Gestaltungskraft

 

Matthias Grünert, Frauenkirchenkantor aus Dresden, gestaltete am Wochenende einen Konzertmarathon mit 14 Auftritten in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels und Kronach. Im Mittelpunkt standen Werke von Johann Sebastian Bach und Dietrich Buxtehude. Von Jochen Berger

Coburg - Organisten sind für gewöhnlich unsichtbare Diener ihrer Kunst. Sie verrichten auf harten Orgelbänken ihren liturgischen Dienst und müssen sich auch bei Konzert oft mit einer kleinen Schar von Kennern begnügen, wenn sie mit Hilfe von Manualen und Pedal Tausende von Orgelpfeifen majestätisch zum Klingen bringen. Zum Star-Kult, so will es scheinen, taugt ihr Metier viel weniger als jenes ihrer Kollegen, die sich mit den 88 Tasten der Flügelklaviatur begnügen. Dass freilich auch Organisten ihre Fans haben können, bewies an diesem Wochenende der zweitägige Konzertmarathon, den Frauenkirchenkantor Matthias Grünert mit seinen jeweils halbstündigen Auftritten in 14 Kirchen in den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels absolvierte.

Schon das Auftaktkonzert am Samstag in St. Georg in Neustadt lockte bemerkenswert viele Zuhörer in die Stadtkirche – darunter weit gereiste Orgelenthusiasten, die selbst den Weg aus Mainz und Osnabrück nicht scheuten, um Grünerts Kunst zu erleben. Schon der flüchtige Blick ins dickleibige Programmheft ließ ahnen, dass diese „OrgelArena“ titulierte Reihe mit ihrer programmatischen Konzentration ausschließlich auf Bach und Buxtehude eine künstlerische Herausforderung, aber auch ein physischer Kraftakt werden würde. Grünert freilich kommentierte seinen musikalischen Marathon scheinbar ganz selbstverständlich so: „Das macht doch Spaß“. Dass er die meisten Orgeln zuvor nur mit einer lapidaren technischen Beschreibung ihrer Disposition kannte – für Matthias Grünert war dies kein ernsthaftes Problem, auch dann nicht, wenn einzelne Orgeln durchaus ihre Tücken zeigten und beispielsweise Manualkoppeln dann und wann unangekündigt ihren Dienst kurzzeitig verweigerten.

An der Hofmann-Orgel in Neustadt demonstrierte Grünert gleich zum Auftakt, dass er ein technisch stets souveräner Organist ist, der auch ganz unverkrampft Freude am brillanten und virtuosen Spiel besitzt. Das galt für Bachs a-Moll-Präludium mit seiner heiklen, auch in raschem Tempo souverän gemeisterten Fuge ebenso wie für einen regelrechten „Reißer“ wie die d-Moll-Toccata, die Grünert mit schier unverbrauchter Frische und mitreißendem Schwung interpretierte.

In ihrer Gesamtheit wurde diese OrgelArena zu einer klingenden Rundreise, die die Begegnung mit einer Fülle historisch interessanter Orgeln ermöglichte – von der markanten zweimanualigen Haueis-Orgel in Gauerstadt bis zur betont kraftvoll intonierten Herbst-Orgel der Lahmer Schlosskirche.

Grünerts geschickte Werkauswahl präsentierte den Zuhörern einen facettenreichen Querschnitt durch das Orgelwerk Buxtehudes und Bachs. Zum 300. Todestag Buxtehudes wurde dabei am Beispiel von Präludien, Canzonen, Toccaten und Orgelchorälen auf sehr eindringliche Weise hörbar, warum dieser Organist und Komponist einst den jungen Bach nachhaltig beeindruckte wie beeinflusste. Buxtehudes Fähigkeit, die Orgel kontrastreich in ihrer Klangfülle zur Geltung und die Pedalstimme zur Entfaltung zu bringen, wurde dabei in stets lebendiger Wiedergabe erlebbar.

Aber auch an Meisterwerken Bachs demonstrierte Grünert seine intensive Gestaltungskraft, und seine Fähigkeit, gleichermaßen ausdrucks- wie spannungsvoll zu musizieren. Das Publikum jedenfalls ließ sich allerorten mitreißen von seiner Orgelkunst und erklatschte sich – allem Termindruck bei diesem Orgel-Marathon zum Trotz – sogar da und dort noch eine bereitwillig gewährte Zugabe.

Coburger Tageblatt 02.07.2007

 

OrgelArena Vogtland 2008

 

Mit Bach zum Start; Zuhörer jubeln

OrgelArena: Frauenkirchenkantor Matthias Grünert läuft sich warm - Konzertmarathon bis Montagabend VON LUTZ KIRCHNER

 

Plauen. Start und Sieg: Matthias Grünert, Kantor an der Dresdener Frauenkirche, hat gestern Mittag in der Plauener Johanniskirche drei nicht allzu lange Werke von Johann Sebastian Bach erklingen lassen und damit wie im Handumdrehen die Herzen der Vogtländer gewon­nen. Kraftvoll, klar und exakt, mit Gefühl und Gestaltungsvermögen, musizierte er an der Jehmlich-Orgel. Die meisten der etwa 500 Gäste hat­ten sich danach wie ein Mann erho­ben: Sie applaudierten im Stehen, jubelten und wollten scheinbar nicht mehr aufhören.

„Ach, das ist heute ganz ent­spannt", sagte Matthias Grünert, 1973 in Nürnberg geboren, über die erste Etappe der gestern gestarteten Konzertserie „OrgelArena". Die Rei­he wird ihn durch das thüringische und sächsische Vogtland führen. Neuensalz und Greiz waren gestern noch dran. Bis zum Finale am Mon­tag, 20 Uhr in der Salvatorkirche Kürbitz folgen weitere 37 Stationen. Das Programm am Sonntag falle kräftezehrender aus, schätzte Grü­nert gestern: „Das sind zehn Statio­nen", und die zu spielenden Kompo­sitionen: „Richtige Kracher, Gipfel­werke der Romantik drunter!"

Für jede einzelne Station der fünften Auflage des Konzertmarathons habe er mindestens ein Schwergewicht eingepackt, „so dass ich die große Kraft und Klangviel­falt der Instrumente zeigen kann".

Die Toccata und Fuge F-Dur, BWV 540, ist gestern so ein Werk gewesen. Die wuchtige Schöpfung eröffnete das Rennen. Grünert hatte dabei scheinbar alle Register der 1965 erbauten Jehmlich Orgel mit den etwa 3500 Pfeifen gezogen. Dass er auch anders konnte, bewies er da­nach mit der Partita über „0 Gott, du frommer Gott", BWV 767. Das langsamere, meditativ und wunder­schön melodisch angelegte Stück wirkte so luftig, als sei es in schim­mernde Pastellfarben und Plauener Spitze gehalten. Ebenso reizvoll das Concerto a-Moll, BWV 593, mit dem eigenartig pumpenden Rhythmus im mittleren Satz. Es erklang zum Schluss des gestrigen Auftakts. „Die im neobarocken Stil gehaltene Jehmlich-Orgel ist bestens für Bach geeignet", schwärmte Grünert, und: „Es ist immer schön, ein so authen­tisches Instrument zu spielen." Es ist Ende der 1990er Jahre umfang­reich saniert worden.

Viele ältere Besucher hatten im weiten Kirchenraum Platz genom­men. Jüngere stahlen sich in der Mittagspause vom Job weg, um da­bei sein zu können. Die Freunde der stets Donnerstag ab 12.05 Uhr in der Kirche erklingenden Orgelmusik waren sowieso da. Nicht alle konnten bis zum Finale bleiben. Man­cher stürzte sich noch davor mit der Aktenmappe unterm Arm wieder ins Tagwerk. „Matthias Grünert, das Vogtland verehrt sie", hatte Tassilo Lenk (CDU), Vogtlands Landrat, zu­vor noch in seinem Grußwort zum Auftakt der Konzertserie hoch zur Orgelempore gerufen. „Dass die Vogtländer ihr Spiel lieben, zeigt die voll besetzte Kirche. Kommen sie oft wieder", fügte Plauens Bildungs­bürgermeister Uwe Täschner (par­teilos) seinerseits mit Blick nach oben hinzu.


Bildunterschrift: Matthias Grünert, Kantor an der Dresdner Frauenkirche, gestern beim Start des Orgelmarathons in der Plauener Johanniskirche

Freie Presse 12.9.2008


Ein glanzvoller musikalischer Auftakt


Johanniskirche Plauen: Auftakt zum Orgelmarathon mit Frauenkirchenkantor Matthias Grünert

Plauen - Eine Konzertreihe mit 40 Orgelkonzerten in fünf Tagen mit ständig wechselnden Programmen - das ist ein Mar­kenzeichen von Matthias Grünert, dem Kantor an der Dres­dener Frauenkirche. Seine ho­hen Ansprüche an sich selbst verhalfen ihm auch im Orgel­spiel zu überragenden künstle­rischen Fähigkeiten, so dass er scheinbar mühelos und mit großer Spielfreude die schwie­rigsten Werke interpretieren kann.

Die OrgelArena Vogtland be­gann im sächsischen Teil in Plauen. Dort fanden sich zur Eröffnung am Donnerstag mit­tags um 12 Uhr etwa 400 Besu­cher in der Johanneskirche ein, um das erste Orgelkonzert zu hören. Einige waren sichtlich in ihrer Mittagspause heran ge­eilt, eine ganze Reihe von Besu­chern früherer OrgelArenen kam unter anderem aus dem Eichsfeld, Westfalen, Stuttgart, Bayern und anderen Orten.

Als Vertreter des Freistaates Sachsen eröffnete Staatssekretär Erhard Weimann die Konzert­reihe und wies ausführlich auf deren hohe kulturelle Bedeu­tung für das sächsische Vogt­land hin. Leider war er akus­tisch kaum zu verstehen, die Zuhörer lechzten nach der Or­gelmusik und baten energisch um Beendigung der Rede.

Der Landrat des Vogtland­kreises, Dr. Tassilo Lenk und der Bürgermeister der Stadt Flauen, Uwe Täschner, hatten für das musikfreudige Publi­kum mehr Verständnis; sie fassten sich mit ihren Begrüßun­gen kurz.

Matthias Grünert begann seine OrgelArena mit Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge F-Dur, einem Werk, das in seiner Größe dem Beginn und auch dem Raum entsprach. Grünert interpretierte das zwei­teilige Präludium in faszinie­render Klarheit, sowohl im Ma­nualteil als auch bei den großen Pedalsoli. Die etwas im Schatten der langen Toccata stehende Fuge wurde von ihm durch differenzierte Registrierung und Artikulation der Stimmen in der Bedeutung ge­hoben. Die Interpretation der Partita „O Gott, Du frommer Gott" gab Grünert die Möglichkeit, seine klangliche Fantasie für die Differenzierung der einzelnen Variationen des Chorathemas einzusetzen. In heller barocker Registrierung erklan­gen figurierte Teile, weich und in wunderschönem Legato die melodisch - linearen Varian­ten. Mit dem Concerto a-Moll stand eine Komposition Bachs am Schluss, die barocke Virtuo­sität mit dem Charakter der Konzerte des Barock zu einem fröhlichen Opus verbindet, das Grünert transparent und virtu­os interpretierte. Es war ein ge­lungener Start, der schon mit diesen drei Werken auf die Viel­falt des Programms der Orgela­rena hinwies.

Irmengart Müller-Uri


Bildunterschrift: Vater und Sohn. Wo, wenn nicht in Plauen, hätte ein solches Zusam­mentreffen wie hier von Matthias Grünert (rechts) und seinem Va­ter, noch eine so besondere Bedeutung. Foto: Irmengart Müller-Uri

Vogtland-Anzeiger 12.9.2008

 

 

Popstar Grünert zelebriert die OrgelArena

Bildunterschrift: Menschen, so weit das Auge reicht. Sie lauschen, sind hingerissen und feiern diesen von Autogramm-Jägern umringten Orgel-Spieler nach dem letzten Akkord wie einen Popstar. Wenn das so weitergeht, schlägt dieser Mann alle Rekorde. Matthias Grünert, Frauenkirchen-Kantor, beginnt heute Teil drei seines heroischen Werks punkt 10 Uhr in der Neumarker Kirche. Es ist die 14. Station der 40 Konzerte in fünf Tagen umfassenden Vogtländischen OrgelArena, die dem einstigen Greizer Stadt-Kantor bei seinem Heimspiel am Donnerstagabend vor der Greizer Stadtkirche an die 1000 Gäste bescherte. Grünert spielte auf der weltweit einzigsten Lkw-Orgel eine runde halbe Stunde Stücke von Schubert, Tschaikowski, Offenbach, Händel und, natürlich, Bach. Bei der berühmten Toccata war es so mucksmäuschenstill, im Amphi zwischen Kirche und Bibliothek, dass man fast den Flügelschlag des Turmfalken hören konnte, der über der Arena kreiste. Auch sein scharfes Auge hat erkannt: Da spielt einer Orgel, und die Massen liegen ihm zu Füßen.
Freie Presse 13.9.2008

 

OrgelArena endet heute im Sächsischen


Weida (bas). Viel Zeit ist nicht. "Wie viel haben wir noch?", fragt Matthias Grünert. "Drei Minuten", sagt Weidas Kantor Patrick Kabjoll und zeigt auf die Funkuhr, die neben den Orgeltasten in der Marienkirche steht. Grünert ist normalerweise Kantor in der Dresdner Frauenkirche, seit Donnerstag aber auf Konzertreise durchs Vogtland.

Es ist zehn vor zwölf, als Grünert vor der Weidaer Kirche erscheint. Schon mehrere hatten nach ihm gefragt, auch Kantor Kabjoll erwartete ihn schon sehnsüchtig. Die Kirche ist gut gefüllt, bloß der Hauptdarsteller noch nicht da. Nervös wird aber keiner. Die OrgelArena, die heute in Kürbitz ihr Ende findet, ist eine organisatorische Meisterleistung.

Die Tour von Orgel zu Orgel ähnelt einem Marathon - zwar auf fünf Tage verteilt, dafür aber auch mehr als die für solche Läufe üblichen 42 Kilometer lang. Grünert tingelt durchs Vogtland bis hin nach Gera. Beinahe im Stundentakt sitzt der Dresdner an einer anderen Orgel. Vor der in Weida standen am Sonntag schon als Nummer 23 die Orgel in Sorge-Settendorf und Berga auf dem Programm, danach noch die in Sirbis, Wünschendorf, Ronneburg und Gera. Dort sind es gleich vier Kirchen, durch die Grünert noch tourt, ehe am späten Abend der letzte Beifall erklingt. Viel Zeit bleibt dazwischen nicht.

Vier Minuten sind vergangenen, als Grünert in der Weidaer Marienkirche in der ersten Etage ankommt. Er packt die Noten aus, wechselt die Schuhe - und erspäht bekannte Gesichter. Die Zeit für ein kurzes Schwätzchen muss sein. Auch wenn die Uhr tickt.

Zeit zum Einspielen nimmt er sich nicht, nur ein paar Einstellungen werden überprüft. "Zum Üben ist keine Zeit", sagt er. Die Weidaer Orgel sei kein Neuland mehr für den Dresdner. "Vor gut zwei Jahren hat er hier schon mal ein Konzert gegeben", erinnert sich Kantor Patrick Kabjoll. Dass Grünert aus dieser Zeit nicht mehr jede Feinheit über das Instrument, das 1932 erbaut wurde, weiß, überrascht nicht. Schließlich sind es allein 40 Spielstätten, die Grünert am Ende der OrgelArena 2008 bespielt haben wird.

Längst ist der Werbeslogan verschwunden, der Grünert damit anpries, dass er auf Orgeln zum ersten Mal spielt. Es liegt in der Natur der Veranstaltung, die seit 2004 jährlich stattfindet, dass die bislang von ihm nicht bespielten weniger werden. Und so hat sich eben Routine eingeschlichen.

Hektik ist der Ruhe gewichen beim Orgelmarathon. Dann stört es auch nicht, dass nur noch wenig Zeit ist, bis die nächste Aufführung stattfindet. Auch in Weida ist an diesem Sonntag die Uhr in aller Ruhe herunter getickt. Grünert läuft noch einmal ein Stückchen, hört sich die Eröffnungsworte an und nimmt dann an der Orgel Platz.

OTZ 14.9.2008

 

Der Maestro spielt sich in einen Rausch

OrgelArena Vogtland: Frauenkirchenkantor Matthias Grünert begeistert Publikum in Neumark und Reichenbach, in Rodewisch und Limbach


Gestern Abend ist die OrgelArena mit 42 Konzerten in fünf Tagen zu Ende gegangen. Tau­sende Zuhörer und Zuschauer haben den Dresdner Frauenkir­chen-Kantor Matthias Grünert erlebt und gefeiert. Die „Freie Presse" hat den Meister ein Stück des Weges begleitet. VON VOLKER MÜLLER


Reichenbach. Sanfte Bässe lassen die Rodewischer Petrikirche weit werden. Über ihnen perlen verführe­risch ins Ohr gehende Tonfolgen. Und dann ist da noch eine warme, helle Stimme, die zu dem Ganzen ein eigenes Lied anstimmt. Einerseits scheint die leuchtende Melodie nah zu sein, andererseits ist sie auch ir­gendwie meilenweit von allem ent­fernt. Das Stück heißt „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" und stammt aus dem Orgel-Büchlein von Johann Se­bastian Bach. Die Weltferne dieser Musik, will sie die Größe Gottes vor Ohren führen oder kündet sie vom Stolz und der bekannten Unnahbar­keit ihres irdischen Schöpfers? Spielt vielleicht beides eine Rolle?

Wer wollte, konnte allein am Samstag im Vogtland in neun Kir­chen über dergleichen Fragen ins Grübeln kommen. Mit dem 34-jähri­gen Frauenkirchen-Kantor Matthias Grünert saß einer an den Spieltischen der Orgeln, der seinen Bach zu gut kennt und zu sehr liebt, als dass auch nur eine Note untern Tisch fällt. Am Samstag erlebt die Donnerstag in Plauen begonnene OrgelArena Vogtland neun Konzerte, tags darauf im Raum Gera noch eins mehr.

Schlag zehn geht es in der Neumarker Kirche los, dann folgen Mylau, Limbach, Bergen, Auerbach, Ro­dewisch und Rothenkirchen. Der Tag: klingt in Reichenbach aus, mit Kon­zerten in der Peter-Paul- und der Trinitatiskirche. Wie fast überall erhebt sich am Ende die Zuhörerschaft und darf sich über eine Zugabe freuen.


Wie der Vater, so der Sohn

Unter ihnen ist auch Hermann Grünert, der Vater des „charismatischen Kantors" - wie ihn der Auerbacher Kollege Jörg Bräunig bei der Begrü­ßung nennt. Hermann Grünert war selbst Jahrzehnte als Kantor tätig, trotzte damit erfolgreich seiner Blind­heit. Sogar Orchester und Chöre hat er dirigiert. Der Junge soll, einmal ge­sagt haben, er möchte am liebsten auch blind sein, damit er so gut Orgel spielen könne wie der Vater. Der sitzt heute im Saal und bekennt nach dem Konzert in Bergen an der Orgel des Adorfers Karl Robert Barth von 1874: „Mich erfüllt Stolz und Freude. Diese Tage sind für mich eine Reise zu dem, was mein Leben einmal ausgemacht hat, und zum Wesentlichen, zur Verinnerlichung und zur Liebe Gottes.“ Wenn sich Hermann Grünert recht erinnert, hat sein Sohn mit dem Or­gelspielen so richtig Ernst erst in der Zeit um das Abitur herum gemacht. Bis zum 13. Lebensjahr, als der Unter­richt bei einem Kollegen begann, ha­be er nur nach des Vaters Noten -zwei- oder dreistimmige Liedbearbei­tungen waren das - den Kirchenchor im fränkischen Neuendettelsau auf der Orgel begleitet.

Heute ist Matthias Grünert - das beweist gerade auch diese OrgelAre­na - nicht allein ein begnadeter Bach-Interpret; er folgt dem großen Musi­ker auch in Sachen Orgel-Kenntnis, Orgel-Gefühl nach. Wenn Grünert sich an den Spieltisch eines Instru­ments setzt, das ihm nicht selten völ­lig unbekannt ist, muss man unwill­kürlich an den Eisenacher denken, der mit neunzehn schon einen Ruf als Orgelkenner hatte und altgedien­te Fachleute ein ums andere Mal in Staunen versetzte. Der Nachfolger, der am Samstag nicht die Zeit hat, auch nur einen Ton zu probieren, welche Notizen werfen zu müssen -flugs die Register und legt los. Man muss es gesehen und vor allem ge­hört haben. Denn: Bei Grünert klin­gen alle Orgeln gleich gut. Auch die, die dringend reparaturbedürftig sind und manchem Kollegen schon - Mat­thias Eisenberg eingeschlossen - eini­ge Sorgen gemacht haben.

Da staunt selbst ein Mann wie der Limbacher Orgelbaumeister Thomas Wolf, der außerdem sagt: „Wer einen Tag wie heute in ansprechender Qua­lität durchstehen will, muss wissen, was er sich zumutet. Er muss eine tol­le Kondition haben. Da braucht man nur mal beim siebenten oder achten Konzert in die falsche Notenzeile zu rutschen, und schon ist alles aus und vorbei." Am Samstag hielt die Kondi­tion.  Das  einzig  hörbare  Missge­schick ereignete sich in Limbach, wo Grünert nicht Bach, sondern populä­re Märsche und kleine Kabinettstü­cke spielte. Da blieb eine Taste der Hildebrandt-Orgel von  anno  1892 einfach liegen, wollte nicht mehr, was dem vorgeschriebenen Gang der Harmonie natürlich nicht gut bekam.

In Limbach lud die Kirchgemein­de alle Gäste des Konzertes zu einem reichhaltigen und bestens munden­den Mittagessen ins Pfarrhaus ein. Danach machte die Bus-Gesellschaft noch überraschend einen Abstecher in Orgelbauer Thomas Wolfs Werk-  statt. Vogtland-OrgelArena-Organisa­tor Andreas Seidel aus Gottesgrün folgte damit der Idee eines Gastes.


Stille Helfer im Hintergrund

Dass dadurch der Zeitplan nicht durcheinander geriet, spricht für die die Organisation der Fünf-Tage-Ver­anstaltung. Der Druckunternehmer Seidel, der mit Grünert in dessen Zeit als Greizer Stadtkantor (2000 - 2004) Freundschaft schloss, hat dabei zu­verlässige Mitstreiter. Dazu zählen Frau Cornelia (Organisation und Be­treuung), Sohn Tobias (Internet), Jo­hannes Oder (Notenwart) sowie ei­nige Freunde, die wechselweise dem „Maestro", wie Grünert in diesem; Kreise gerne genannt wird, vorausfahren. Nach dem ersten Tag stieß in Plauen der Orgelstudent Fabian Bamberg spontan zum Team. Dank schul­det Seidel auch dem Begründer der OrgelArenen, dem Jenaer Karl-Heinz Kraass. Dieser kam 2004 auf die Idee, eine zunächst vereins intern geplante Orgelführung mit Matthias Grünert quer durchs Eichsfeld öffentlich zugänglich zu machen. Das Projekt fand regen Zuspruch und wurde in anderen Teilen Thüringens und in Oberfranken fortgesetzt. Und wie nahmen die Vogtländer : das reiche Samstags-Angebot an? Weniger als 100 Zuhörer gab es bei keinem Konzert. Weit über 200 fanden sich in Mylau ein und in der Reichen­bacher Peter-Paul-Kirche dürften es über 300 gewesen sein. In Neumark hatte Musiklehrerin Marion Ruf eine Reihe Schüler interessieren können, die während des Konzertes ganz nahe an Matthias Grünert und die kürzlich generalüberholte Schüßler-Orgel von 1979 heranrückten. „Ein tolles Erlebnis“, waren sich hinterher Christoph Neumann und Erik Wagner (10) einig, „Wer sich ein Konzert mit ei­nem so großen Künstler entgehen lässt, ist selber schuld. Mir haben vor allem die leisen Töne gefallen, die der Mann aus unserer Trampeli-Orgel hervorgezaubert hat“, meinte die Rothenkirchnerin Helga Schlesiger. Und der Osnabrücker Oberstaatsan­walt a. D. Heribert Günther, der mit Gattin Irmtraud schon die vierte Or­gelArena erlebte, resümierte kurz: „Exzellente Musik - der Mann wurde ja von Konzert zu Konzert immer noch besser, dazu eine beeindrucken­de Landschaft und einmalige Bau­denkmäler - alles hat gepasst.“


Bildunterschriften: Bild 1: Matthias Grünert in der Reichenbacher Trinitatiskirche

Bild 2: Kaum Zeit zum Luftholen - und ab geht's zum nächsten Termin.

Freie Presse 16.9.2008


Orgelmarathon: “Alles locker“


Matthias Grünert entspannt nach 40 Konzerten und 204 gespielten Werken


Matthias Grünert, Kantor der Frau­enkirche in Dresden, hat mit dem 40. Konzert nach fünf Tagen am Montag Abend das Ziel des Orgelmarathons in Kürbitz erreicht. Et­wa 7000 Zuhörer verfolgten seit dem Start in der Plauener Johanniskirche am vorigen Donnerstag in Kirchen und Konzertsälen die 204 gespielten Werke und ungezählten Zugaben der fünften OrgelArena. Sie führten den Organisten und die Besucher quer durch das thüringi­sche und sächsische Vogtland. Lutz Kirchner sprach nach dem letzten Konzert in der Salvatorkirche Kür­bitz mit dem rasenden Organisten.

„Freie Presse": Herr Grünert, wie geht's Ihnen jetzt, sind Sie sehr ver­spannt und erschöpft?

Matthias Grünert: Aber nein. Es ist alles locker. Das ist eine Sache der Konzentration. Am Samstag ist das Oratorium „Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Frau­enkirche dran. Da kann ich die Schultern wieder ausschütteln. (Anm. d. Red.: Der Kantor wird diri­gieren.) Das nächste Mal werde ich im Gottesdienst an der Orgel sitzen, wahrscheinlich am Wochenende.

„Freie Presse": Ist Orgelspielen für Sie etwa Erholung?

Grünert: Ach, zuhören ist auch ganz schön. Da muss man nicht mit der Tücke des Objekts kämpfen. Ei­nige Instrumente waren auch kör­perlich schwer zu spielen.

„Freie Presse": Kannten Sie die 40 Instrumente vorher?

Grünert: Einen Teil kannte ich. Die Orgel in der Plauener Johanniskirche zum Beispiel von der Aufnahme für die CD, auch die in der Pauluskirche und die in Markneukirchen und andere auch, die hier in Kürbitz jedoch nicht. Die Lastwagen-Orgel, die ich in Greiz gespielt habe, kann­te ich auch nur vom Hörensagen.

„Freie Presse": Welches Instru­ment hat Sie am meisten überrascht?

Grünert: Für einen Organisten sind immer die möglichst original erhal­tenen Instrumente die Interessan­testen. Die Eule-Orgel in Brunndöbra bei Klingenthal ist so eine gewe­sen. Die ist von 1910 und niemand hat seitdem dran herumgeschnip­pelt. Sie ist 2000 von der Firma Vogtländischer Orgelbau Thomas Wolf überholt worden und lässt sich ganz locker spielen. Für roman­tische Werke wie das von Joseph Gabriel Rheinberger ist sie geschaf­fen. Da entstand ein Klangsog, so wie es die Romantik verlangt. Ich fühlte mich wie in die damalige Zeit versetzt. Ich will aber den anderen Instrumenten nicht Unrecht tun.

„Freie Presse": Bei welchen der 40 Konzerte wurden die meisten Besu­chergezählt?

Grünert: Das war, denke ich, auf dem Kirchplatz in Greiz. Dort wa­ren es wohl 700 Zuhörer und im Konzertsaal des Geraer Theaters, dort müssen es über 600 gewesen sein.

„Freie Presse": Sie haben den Marathon in Plauen mit Werken von Jo­hann Sebastian Bach begonnen und in Kürbitz mit dem selben Komponisten beendet Sie fühlen eine starke Schwä­che für Bach?

Grünert: Ja, da gibt es nichts, was, drübersteht. Aber damit will ich nichts gegen die Romantiker oder andere sagen.

„Freie Presse":  Wann und wo wird es die nächste OrgelArena geben ?

Grünert: Voraussichtlich im Au­gust nächsten Jahres in der Gegend um Jena. Und für den September 2009 ist eine im Raum Düsseldorf geplant.

Freie Presse 17.9.2008


Orgelmarathon-Tage an 40 Spielstätten


Landwüst / Dresdner Frauenkirchenkantor Matthias Grünert stellt sich besonderer Herausforderung

 

Der Dresdner Frau­enkirchenkantor Matthias Grünert gastierte zum 5. Orgelare­najahr vom 12. bis zum 15. September im thüringischen und sächsischen Vogtland. Am letzten „Orgelmarathontag" nach nunmehr 27 Spielstätten wurden sieben der Königinnen der Instrumente im Oberen Vogtland von Grünert spiele­risch mit hochkarätigen Orgel­werken von Johann Sebastian Bach über Felix Mendelssohn Bartholdy bis Max Reger unter die Lupe genommen.

Darunter war auch die Orgel in der beschaulichen Wall­fahrtskirche St. Laurentius von Landwüst. 1822 wurde sie von Friedrich Wilhelm Trämpeli (1790-1832), letzter Orgelbauer der bekannten Orgelbauerfami­lie aus Adorf, erbaut. Die Trampelis bauten seit 1730 mit Friedrich Wilhelm in der drit­ten Generation Orgeln und gal­ten als eine der bekanntesten Orgelbauerfamilien nach Gott­fried Silbermann. So erhielten die Trampelis den Titel Herzog­lich Sächsisch-Weimarischer und Eisenacher Hoforgelbauer. Mit dem montäglichen leider zu kurzem Konzert an der Landwüster Orgel kehrte nun im übertragenen Sinn ein erst­klassiger Kenner und Könner des Orgelspielfaches aus der; sächsischen Hofkantorenme­tropole an den Ort der Wir­kungsstätte eines der sächsisehen Hoforgelbauer zurück. Alle diese Zeichen, zum einen die Zahl Fünf als Arena jähr, das Zusammentreffen einer Orgel eines berühmten Baumeisters und eines berühmten Organis­ten sollten Grund genug für ein gutes Gelingen sein und so gestaltete sich die Aufführung vor über 80 Besucher sehr beein­druckend. Während draußen neben der Kirche auf dem Friedhof die Trauermesse für den Landwüster Lothar Trauer begangen wurde, spielte Mat­thias Grünert ohne es zuvor zu ahnen das Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit (BWV 672) und Christ, aller Welt Trost (BWV 673). Den beiden Stücken folg­ten weitere Bachorgelwerke und die halbstündige Orgelan­dacht ging mit dem Prelude in h-Moll von Georg Joseph Vog­ler (1749-1814) zu Ende.

Zum ersten mal war in die­sem Jahr auch der Vater des Or­gelvirtuosen, der Kirchenmu­sikdirektor und Kantor Her­mann Grünert dabei. Als sein Sohn schon wieder auf dem Weg zur nächsten Spielstätte, der Nicolaikirche zu Markneukirchen war, improvi­sierte Vater Grünert noch etwas an dem altehrwürdigen Orgel­manual. Wie man sagt fällt der Apfel nicht weit vom Stamm und so lernte einst Junior Grü­nert seine Orgelgehversuche bei seinem seit der Kindheit blinden Vater.

Das Instrument in Landwüst bereitete Matthias Grünert sichtlich Schwierigkeiten, denn die Mechanik war wohl seiner­zeit für kräftigere Bauernhändekantoren gemacht und so musste der Frauenkirchenorga­nist schon seine Finger mächtig in die Tastenmanuale legen und entsprechende Beinarbeit auf die Pedale geben, damit die zum Teil schwierigen Bachwer­ke den Zuhörern in gewohnter Virtuosität nahe gebracht wer­den konnten.

Trotzdem war es für Matthias Grünert und die Zuhörer, die zum Teil als langjährige Grünert-Fangemeinde aus anreisten, ein Erlebnis.

Der fachkundige vogtländische Orgelbauer Thomas Wolf aus Limbach war beeindruckt von dem 186 jährigen Orgel­werk. Er inspizierte das Innen­leben der Orgel und den noch vorhanden Handblasebalg ge­nausten. Der Arenaprojektleiter Andreas Seidel aus Gottesgrün war wieder von den neuen Spielorten angetan und hat schon für 2009 viele Spielstättenideen. B. Müller


Bildunterschrift: Vater und Sohn Grünert an der Landwüster Orgel zum letzten Orge­larenatag, hinter Vater Grünert der Veranstaltungsprojektleiter An­dreas Seidel. Foto: Müller

Vogtland-Anzeiger 18.9.2008


OrgelArena Vogtland zieht Tausende an

Frauenkirchenkantor Matthias Grünert absolviert beeindruckenden Musik-Marathon


Gera/Plauen. In fünf Tagen über 7000 Zuhörer – das ist die stolze Bilanz der gestern in der übervoll besetzten Kürbitzer Salvatorkirche zu Ende gegangenen OrgelArena Vogtland 2008. Mit 40 Konzerten im sächsischen und thüringischen Vogtland, bei denen 204 unterschiedliche Kompositionen erklangen, machte Frauenkirchenkantor Matthias Grünert nachdrücklich auf die reiche Orgellandschaft der Region aufmerksam und konnte zahlreiche neue Freunde der Orgelmusik gewinnen. Besondere Höhepunkte der Tour waren das Greizer Konzert auf der weltweit einzigen transportablen Open-Air-Orgel sowie Grünerts Auftritt im nahezu restlos gefüllten Konzertsaal des Geraer Theaters. Ein Teil der eingegangenen Spenden kommt den jeweiligen Instrumenten zugute. 2009 wird es eine OrgelArena im Raum Düsseldorf geben und eine weitere in und um Jena. Die Serie der OrgelArenen mit Matthias Grünert begann 2004 im thüringischen Eichsfeld. Informationen unter: orgelarena.de


OTZ/Vogtland-Anzeiger/Freie Presse 18.9.2008
OrgelArena Düsseldorf 2009

Marathon an 27 Orgeln „Die Instrumente in Ratingen sind gut gepflegt."
VON PHILIPP ADOLPHS
RATINGEN WEST
27 Konzerte in nur drei Tagen spielte Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauen­kirche, jetzt im Raum Kreis Mett­mann, Düsseldorf und Wuppertal. Davon waren ganze acht am ver­gangenen Sonntag in Ratingen. Kein Orgelstück und kein Instru­ment wurde dabei zwei Mal ge­spielt, jedes Konzert war also ein­zigartig.
Doch auch nach acht gelungenen Konzerten im Stundentakt war Grünert noch „locker und frisch", so sein langjähriger Begleiter Gün­ter Kraus, Vorsitzender der Katholi­schen Arbeitnehmerbewegung Ra­tingen West, der das Projekt ermög­lichte.
Zwei Jahre im Voraus fragte er Grünert, ein Jahr im Voraus die Pfarreien und Kantoren im Um­kreis nach Auftrittsmöglichkeiten. Bilder und Texte für das Programm­heft wurden „in Fleißarbeit" erstellt und Prominenz aus der Politik be­nachrichtigt. So haben der Minis­terpräsident des Landes, Jürgen Rüttgers, sowie der Kreis-Landrat Thomas Hendele die Schirmherrschaft für das Projekt OrgelArena übernommen. Matthias Grünert (36) wurde allen hohen Erwartun­gen mehr als gerecht.
Beim Abschlusskonzert in der Heimatpfarrei des Organisators Kraus, Heilig Geist, bewies er in nur dreißig Minuten und drei Pro­grammpunkten, dass er das volle Spektrum der Orgelmusik be­herrscht. „Batalla famossa" aus dem 18. Jahrhundert wurde abgelöst von Johann Sebastian Bachs bekanntem Stück „Jesus bleibet meine Freude“.
Am meisten Raum im Programm nahm allerdings Christian Rincks Kontert in F-Dur ein, das Grünert in drei Teilen glänzen lies. Schnell, sauber und einfühlsam bewegten sich Finger und Füße, doch auch der Körper und die Mi­mik spielten mit, passten sich der Melodie und Spielweise an; Grünert war mit Leib und Seele bei der Orgel. Komplexe Tonwände trafen auf schnelle Melodien, laute Akzen­te lösten leise Läufe ab.
Dass Grünert an diesem Tag zum achten Mal auf einer anderen Orgel gespielt hat, stellte für ihn aller­dings kein Problem dar.
Zum einen ist nach 20 Jahren Or­gelerfahrung an verschiedenen In­strumenten nicht von Umgewöh­nung zu sprechen, zum anderen seien die Orgeln in Ratingen und Umgebung „wirklich gut in Schuss", so Grünert''
„Begeistert von den Orgelland­schaften in Ratingen" stellte er den Unterschied zu seinen „Erfahrungen im Osten" fest, die Instrumente hier seien „sehr gut gepflegt“. Wichtig für ein gutes Konzert sind für Grünert außer dem Spielkom­fort allerdings auch das Publikum, der Raum und die Atmosphäre.
In Heilig Geist kam davon alles zusammen, als die Zuhörer Grünert zu drei Zugaben bewegten und, für Konzerte in einer Kirche äußerst unüblich, anfingen, mitzuklatsehen!

Bildunterschrift: Organist Matthias Grünert aus Dresden spielte in der Versöhnungskirche in West.